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Israels Massaker im Gaza-Streifen und eine "Antisemitismus"-Debatte

04.08.2014

Sonntag, 3. August 2014
Quelle: http://between-the-lines-ludwig-watzal.blogspot.de/2014/08/israels-massa...
 
 
 
Auf Livestream kann mit verfolgt werden, wie eine Besatzungsarmee "Amok" läuft und Tod, Zerstörung und Verderben über ein wehrloses Volk bringt. Das israelische Besatzungsregime veranstaltet im besetzten palästinensischen Gaza-Streifen ein Massaker an der Zivilbevölkerung, welches das Massaker von 2008/09 in den Schatten stellt. Die Opferzahlen liegen heute schon bei über 1 840 Toten Palästinensern, 80 Prozent Zivilisten. über 9 000 Schwerverletzte sind zu versorgen, und ganze Stadtteile werden dem Erdboden gleich gemacht. 500 000 Menschen hat man ihre Bleibe zerbombt, und sie sind auf der Flucht in dem Getto-ähnlichen "Freiluftgefängnis". Bisher verloren 63 israelische Besatzungssoldaten ihr Leben. Für jeden rechtsstaatlich-denkenden Menschen ist klar, dass die Mitglieder des so genannten israelischen Sicherheitskabinetts, die diese Entscheidungen getroffen haben, vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gehören.
 
 
Die westlichen politischen Eliten und deren mediale Verlautbarungsorgane sind bei israelischen Kriegsverbrechen immer gerne bereit, einen Nebenkriegsschauplatz namens "Antisemitismus" zu eröffnen, um von Israels kolossalen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen abzulenken. In Deutschland läuft seit dem "Amoklauf" der "moralischsten Armee der Welt"! (Ehud Barak) eine "Antisemitismus"-Debatte, die nur als unterirdisch bezeichnet werden kann. Darüber hinaus finden Demonstrationen und Kundgebungen der zionistischen Lobby gegen "Antisemitismus und Antizionismus" statt, die vom tatsächlichen Täter ablenken und die Schuld den gettoisierten Opfern zuschieben sollen.
 
Diese Lobbyisten fordern von den Deutschen Solidarität mit einem Staat, der seit 47 Jahren ein anderes Volk kolonisiert, dessen Land raubt, UN-Schulen, Krankenhäuser, Gesundheitszentren, Krankentransporter, Wasserentsalzungs- und Kläranlagen, Kraftwerke und die Infrastruktur in seine Einzelteile zerlegt sowie zum wiederholten Male ein Massaker an der Zivilbevölkerung anrichtet. Angeblich sollen die Deutschen jenes Land unterstützen, "das stellvertretend für die freie Welt deren Werte gegen den barbarischen Terror verteidigt". Diese Armee verteidigt keine "westlichen Werte"; sie zerbombt sie. Hier scheint wohl Einiges im Weltbild der zionistischen Lobbyisten durcheinander geraten zu sein. Ein "westlicher Wert" ist zum Beispiel, Solidarität mit den Opfern und nicht mit den Tätern zu üben.
 
 
Über die Verbrechen der israelischen Armee wurde auch im "Presseclub" vom 27. Juli 2014 nicht diskutiert, stattdessen echauffierte man sich über den neu-aufkeimenden "Antisemitismus" und die Ausschreitungen in Europa, insbesondere in Frankreich. An Oberflächlichkeit war diese Journalisten-Runde nicht zu toppen. Auch die Behauptung über die Ursache des israelischen Gewaltexzesses, nämlich die Entführung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen und der darauffolgende Rachemord an einem jungen Palästinenser durch israelische Rechtsextremisten trifft die Sache nicht. Keinem in dieser Runde kam auch nur einmal das Wort Besatzung über die Lippen, die seit 47 Jahren andauert und die eine der wesentlichen Ursachen für die brutale Gewalt der israelischen Besatzungsarmee darstellt. Den Journalisten und den zionistischen Lobbyisten sei der Artikel von Ran HaCohen zur Lektüre empfohlen, damit sie wenigstens einen winzigen Einblick in die Wirklichkeit erhalten.
 
Von Meinungsvielfalt konnte in dieser Runde ebenfalls keine Rede sein. Neben zwei knallharten Zionistinnen, gab es noch einen Wissenschaftler von der Universität Bielefeld und einen Alibi-Palästinenser. Jeder "linke" Zionist hätte die Interesse der Palästinenser offensiver und rhetorisch besser vertreten als der Redakteur der "Deutschen Welle". Es herrschte also im zwangsfinanzierten öffentlichen-rechtlichen Fernsehen Meinungseinfalt statt Meinungsvielfalt.
 
Sylke Tempel, Chefredakteurin der Zeitschrift "Internationale Politik", die von der "Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik" (DGAP) herausgegeben wird, und die Schriftstellerin Gila Lustiger, betätigten sich als perfekte Sprachrohre israelischer Hasbara (Propaganda). Jeder israelischer Regierungssprecher wäre bei dieser "Konkurrenz" vor Neid erblast. Professor Andreas Zick von besagter Universität denunziert die Proteste gegen die israelischen Verbrechen in Gaza als „israelbezogenen Antisemitismus“. Damit hängte er dem Massaker ein pseudowissenschaftliches Mäntelchen um. Wollte er mit dieser unwissenschaftlichen und irreführenden Aussage die berechtigten Proteste gegen die israelischen Massaker kriminalisieren?
 
Von Zick ist kein nennenswerter Kommentar über die Parolen israelischer Rechtsextremisten wie "Araber ins Gas", "Tod den Arabern", der Verbringung afrikanischer Flüchtlinge in Lager in der Wüste Negev oder die Treibjagden auf Palästinenser in Jerusalem und Tel Aviv durch israelische Neo-Nazis überliefert. Oder hat Zick als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Fußball-Liga jemals ein Wort des Protestes gegen die "moralischste Armee der Welt" geäußert, als diese zwei junge palästinensische Fußballspieler, Jawhar Nasser Jawhar (19 Jahre) und Adam Abd al-Raouf Halabiya (17 Jahre), absichtlich zu Krüppeln gemacht hat, indem man ihnen in die Füße geschossen hat?
 
Kritische Israelis wie Gideon Levy berichten, dass der Rassismus in der israelischen Gesellschaft epidemische Zustände erreicht habe: Der Likud-Abgeordnete Moshe Feiglin meint zum Beispiel: "Ein Haar auf dem Haupt eines israelischen Soldaten ist kostbarer als die gesamte Bevölkerung von Gaza." Oder der Knesset-Abgeordnete der rechtsextremen Regierungspartei "Jüdisches Heim", Ajelet Schaked: "Man solle die Mütter festgenommener 'Terroristen' töten, damit sie keine weiteren Terroristen gebären können."
 
Wie schrieb doch zu Recht der israelische Historiker Meir Margalit in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahre 2008: "... Der wirkliche Antisemit ist der, der angesichts der Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten schweigt ..." Wimmelt es deshalb in Deutschland nur so von "Antisemiten"? Zu den seit 47 Jahren anhaltenden Menschenrechtsverletzungen war in der Tat nichts von dieser illusteren Runde zu hören.
 
Niemand hat sich bis heute gefragt, ob die antisemitischen Parolen nicht von eingeschleusten Mitläufern, so genannten Provokateuren oder Geheimdienstagenten, gerufen worden sind, um den Muslimen auch noch "Antisemitismus" anzuhängen. Wer bei Demonstrationen gegen das eigene Land Parolen wie "Bomber Harris do it again" brüllen kann, der könnte auch bei Demonstrationen gegen die Verbrechen der israelischen Besatzungsmacht "Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein" skandiert haben. Gerade aus der antideutschen Ecke wird alles getan, um dem Islam einen inhärenten "Antisemitismus" zu unterstellen. Näheres zur gesteuerten "Antisemitismus"-Kampagne und zum "professionellen" Verhalten einiger öffentlich-rechtlicher bezahlter Propagandisten, hat der Journalist Arn Strohmeyer geschrieben.
 
Zu alle dem hatte "Onkel Tom" von der Deutschen Welle nichts zu sagen. Zuerst legte er ein Bekenntnis zur Einmaligkeit des Holocaust ab, aber über die Ursachen des Konfliktes wie Besatzung, Landraub, fortdauernde Kolonisierung, Strangulierung der Menschen, Gettoisierung, ethnische Säuberung und vieles mehr fiel dem Palästinenser nichts Wesentliches ein. Bei solchen Vertretern muss das berichtigte Anliegen des palästinensischen Volkes in der deutschen Öffentlichkeit unter die Räder kommen.
 
Diese durch die Zwangsabgabe finanzierte öffentlich-rechtliche Pro-Israel-Propaganda setzte sich natürlich im ZDF bei Peter Hahne fort. Er hatte den ehemaligen Professor Michael Wolffsohn von der Bundeswehr Universität in München und den Fraktionschef der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, zum "Disput" geladen. Herausgekommen ist das, was man erwarten konnte. Der SPD-Abgeordnete Saleh nickte alle politischen Zumutungen Wolffsohns ab und bestätigte damit das Image eines gelehrigen und eingeschüchterten Palästinensers. Wolffsohn konnte sowohl seine unhaltbaren Statements gegen "antisemitisches" in der Linkspartei platzieren als auch die kommunistische Bewegung in Gänze als "streng antisemtisch" denunzieren. Saleh nickte zustimmend und äußerte nur politisch-korrektes, das der deutsche Mainstream zulässt. Solange die Öffentlich-Rechtlichen nur politisch "dressierte" palästinensische Vertreter einladen, sollte man sich die Farce einer offenen "Diskussion" ersparen, da die deutsche Öffentlichkeit scheinbar klüger ist, als es den Verantwortlichen von ARD und ZDF lieb ist: Nach jüngsten Umfragen  ist Israel der "Täter".
 
Anstatt in den Öffentlich-Rechtlichen Medien über Israels rechts-nationalistische Regierung, die Neo-Nazi-Banden in Israel und den Vandalismus der israelischen Armee zu diskutieren, erfanden beide Runden einen neuen muslimischen "Antisemitismus", um Israel nicht kritisieren zu müssen. Handelt es sich nicht beim "neuen Antisemitismus" um eine journalistische Ente? Seriöse Vertreter wie der ehemalige Leiter des "Zentrums für Antisemitismusforschung" an der TU Berlin, Wolfgang Benz, sehen trotz des israelischen Massakers im Gaza-Streifen keine Zunahme des "Antisemitismus" in Deutschland. Mit diesem neu eröffneten Nebenkriegsschauplatz in einigen Ländern Westeuropas kann die "moralischste Armee der Welt" weiter beruhigt gegen die wehrlose Menschen in Gaza vorgehen und sie liquidieren. Die sogenannten westlichen Werte kann man so getrost den Wölfen gleich zum Fraße vorwerfen.

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