Business picture

Protestbrief an das Albert-Schweitzerhaus

30.05.2008

Sehr geehrte Frau Mag. Lederer,

mit Bestürzung habe ich von der einseitigen Kündigung des
mit der Kampagne „Gaza muss leben“ für die Veranstaltung am 17. Mai
abgeschlossenen Vertrages bezüglich der Saalbenützung Kenntnis erhalten.

Mittlerweile schon seit vielen Jahrzehnten habe ich das
Albert Schweitzer-Haus als einen offenen Ort der Begegnung, des Dialogs und
auch der Kontroverse kennen- und schätzen gelernt - sei es als Treffpunkt
iranischer Studenten in den späten 70er Jahren, als Gründungsort der
Anti-Apartheid-Bewegung oder des Österreichischen Solidaritätskomitees für die
Rechte der Kärntner Slowenen. Offenbar soll es mit dieser Tradition nunmehr
vorbei sein.

Ich habe mich seit jeher - mit schweren persönlichen
Konsequenzen - gegen jeden politischen Mißbrauch der Religion (etwa in Form
eines politischen Katholizismus) eingesetzt und bin mit vielen evangelischen
Persönlichkeiten befreundet, die gegen eine politische Instrumentalisierung des
Protestantismus - á la 1938 - und für die Tradition einer "Bekennenden
Kirche" eintreten. Gerade deshalb dürfen wir heute unsere Augen nicht vor
dem schleichenden Völkermord verschließen, den Staatsideologie und Staatspraxis
des Judentums an den Palästinensern, insbesondere im Gazastreifen, verursachen.

Ich ersuche Sie, auch die Eigentümer des Albert
Schweitzer-Hauses über diesen Protest zu informieren, in der Hoffnung, daß sich
dieser Trend zur Zensurierung legitimer politischer Meinungsäußerungen nicht
fortsetzt.

Hochachtungsvoll

Univ. Prof. Dr. Walter Sauer

******

Stellungnahme von Walter Sauer, nach den Angriffen von Samuel Laster auf ihn wegen des obigen Briefes:

Sehr geehrter Herr Laster,

mit Bezug auf die geäußerte Kritik an meinem Protestbrief an die Geschäftsführung des Albert Schweitzer-Hauses darf ich festhalten, dass ich diese Meinung ausschließlich als Privatperson geäußert habe. Eine Bezugnahme auf den ÖGB war darin weder enthalten noch beabsichtigt.

Ich bekenne mich selbstverständlich zu den im Zielparagraphen der ÖGB-Statuten festgelegten Grundsätzen wie u. a. zur "Bekämpfung des Faschismus, jeder Reaktion und aller totalitären Bestrebungen, zur Mitarbeit an der Sicherung des Weltfriedens und der Menschenrechte" und lehne daher auch Antisemitismus ab.

Diesbezügliche Missinterpretationen meines Protestmails bedauere ich daher sehr und entschuldige mich gleichzeitig bei allen, die sich dadurch angegriffen fühlten.

Mit den besten Grüßen

Walter Sauer

sfy39587f05